Schifferstechen ...

... eine Art Ritterturnier auf dem Wasser

Das traditionsbehaftete Schifferstechen in der Schweiz ist schon so etwas wie ein mittelalterliches "Ritterturnier zu Wasser". Bei einem Stechen fahren zwei mit Podesten im Heck ausgestatteten Schiffe (Weidlinge) längsseitig eng aneinader vorbei. Beide Stecher versuchen dabei den jeweiligen Gegner im anderen Boot mit Lanzen vom Podest zu stossen. Entweder fallen dabei beide Stecher ins Wasser, und müssen die Runde ein- bis zweimal wiederholen. Oder einer der beiden bleibt fest oben auf dem Podest und wird Sieger dieser Runde. Die Lanzen sind dabei selbstverständlich entsprechend gepolstert.

Ein alter Brauch

Ganz anders als im Mittelalter. Zweifellos handelte es beim Fischer- oder Schifferstechen um einen verbürgerlichten Abkömmling des Ritterturnier zu Land. Damals pflegten die Kämpfenden mit Harnisch, Helm und Schild zum Stechen anzutreten. Es war nämlich nicht unüblich mit spitzigen Lanzen das Turnier auszutragen. Da es dabei immer wieder zu Unfällen gekommen war, nicht zuletzt auch wegen dem entsprechenden Gewicht am Körper, wurde das Ganze von der Obrigkeit schliesslich untersagt.

Schifferstechen gab es früher in fast allen Fluss- und Seestädten Europas: Zum Beispiel auf dem Rhein, dem Neckar, dem Main, der Elbe und der Donau. In Frankreich wurde es auf der Seine und der Rhône gepflegt, in London auf der Themse, in Venedig auf dem Canale Grande. Aber auch in Holland, Belgien und Dänemark war es populär.
Und in der Schweiz? Hier berichten die Überlieferungen von Stechen in Genf, Ouchy, Vevey, Estavayer le-Lac und Zürich. Als Jos Murer 1576 den Stadtplan von Zürich zeichnete, setzte er zwei Weidlinge mit Schifferstechern in die Limmat. Die Lanze angelegt, zum Stoss bereit stehen die Stecher vorne auf dem Bug. Murer hat allerdings nicht so genau hingeschaut. Bei der Kampfbegegnung würden nämlich die Stecher in die Weidlinge fallen, statt ins Wasser (siehe Bild).

Heimische Schifferstechen

Der Limmat-Club Zürich führt auf der Limmat in Zürich sporadisch ein Internationales Schifferstechen durch, letztmals im Jahr 2018. Ausserdem gibt's jeweils an den jährlich stattfindenden Wassersportfesten (erstmals im Jahr 1881) ein Plausch-Schifferstechen, auch für wagemutige Gäste. 

Die Boote fahren aufeinander zu,, die Stecher richten die Lanzen auf des Gegners Brust. Nicht nur der Stoss des Gegners, auch der Gegendruck des eigenen Stosses kann sie beide aus dem Gleichgewicht bringen. Häufig stürzen beide zugleich ins Wasser, sehr zum Gaudi der Zuschauer. Ungeübten kann es auch einmal passieren, dass sie vom Schiff ins Wasser fallen bevor diese aneinander vorbeigefahren sind.

Schifferstechen der Zürcher Zünfte

Seit 1979 findet das Zunftschifferstechen findet auf dem Limmatabschnitt zwischen Münster- und Rathausbrücke vor dem Hotel Storchen statt. Dieser Anlass wird jeweils von der Zunft zur Schiffleuten Zürich, zusammen mit dem Limmat-Club Zürich und der Verenamusik Stäfa im 3-Jahresturnus organisiert und durchgeführt. Der Limmat-Club stellt dabei die Weidlinge mit Schifferstecherausrüstung und die Rudermannschaften.
Zum Turnier treten jeweils die Schifferstecher aus den 25 Zürcher Zünften, der Gesellschaft  zur Constaffel, sowie als „Gaststecher“ ausser Konkurrenz Vertreter auswärtiger Zünfte und Gesellschaften. Das Zunftschifferstechen findet auf dem Limmatabschnitt zwischen Münster– und Rathausbrücke vor dem Hotel Storchen statt.

Die Kampfregeln des Limmat-Clubs Zürich und der Zunft zur Schiffleuten Zürich stammt ursprünglich von Reglementen aus Würzburg und Sète und diente als Grundlage für die heimischen Kampfregeln.

Auswärtige Schifferstechen

Der Limmat-Club Zürich besucht auf Einladung mehr oder weniger regelmässig befreundete Clubs und Gesellschaften im Ausland zu ihren eigenen Fischer- und Schifferstechen. Selbstverständlich im freundnachbarlichen Gegenrecht.

Der ausserordentlich schöne und enge Kontakt zur Société Nautique de Strasbourg ergibt sich schon aus der Verbandelung der beiden Städte Strassburg und Zürich aus alten Zeiten, Stichwort Hirsebreifahrt. Ausserdem sind wir seit 1893 Vereinsehrenmitglied beim "Nautischen Verein Strassburg", heute Société Nautique de Strasbourg, und diese wiederum seit 1901 Vereinsehrenmitglied beim Limmat-Club Zürich.

Aus neuerer Zeit stammt die unglaublich herzliche Verbindung zu den "Fischergasslern" aus Neuburg an der Donau, welche uns regelmässig zu ihren Turnieren auf den Donaugewässern einlädt und besonders gastfreudig beherbergt. Auch hier gilt das selbe wie bei den Freunden aus Strassburg. An den Internationalen Schifferstechen des Limmat-Clubs Zürich sind auch die Fischergassler eingeladen und haben 2018 sogar den Turniersieger gestellt.